Die Aufgabe der Hingabe – Was die Aufgabe der Hingabe ist und warum aufgeben manchmal gar nicht so schlimm ist

Heute wird es dezent philosophisch im Tempel der Sinnlichen Revolution. Ich habe ein Faible für Worte, Wortspiele, Wortzusammenhänge und Wortbedeutungen. Hingabe ist definitiv eines meiner Lieblingsworte, sowohl dem Klang als auch der Bedeutung nach. In diesem Artikel möchte ich der Hingabe auf den Grund gehen.

Die Wortbedeutung der Hingabe

Wikipedia klärt uns auf: „Unter Hingabe (auch: Hingebung, Devotion) versteht man den von rückhaltloser innerer Beteiligung geprägten Einsatz eines Menschen für eine Angelegenheit oder eine Person, die für den Betreffenden von höchstem persönlichen Wert ist.

Die Hingabe ist dem Engagement, der Anstrengung, dem Eifer und der Leidenschaft verwandt; ihre Bewegung ist jedoch nicht ein aktives Drängen, sondern ein Zuwenden, Sich-Öffnen und Empfangen.“

Die Sinnbedeutung der Hingabe

Gerade der letzte Satz „…. ein Zuwenden, Sich-Öffnen und Empfangen“ trifft die Sinnbedeutung schon sehr gut. Wir vertrauen, dass zu uns fließt, was wir brauchen, um die Aufgabe mit Hingabe zu erfüllen.

Wir kennen es wahrscheinlich aus dem religiösen Kontext, da das Wort ursprünglich in diesem Sinne – Hingabe an Gott – geprägt wurde.

Auch denken viele Menschen, mich inbegriffen, bei dem Wort Hingabe an Sinnlichkeit und Sexualität. Sich einem anderen Menschen körperlich anvertrauen, öffnen und Berührung ohne Widerstand und Kontrolle empfangen.

Das Gegenteil der Hingabe

Das Gegenteil der Hingabe ist das Festhalten und die Starre. Wenn ich nicht bereit bin, mich hinzugeben, versuche ich zu kontrollieren, wachsam zu sein, etwas zu erzwingen oder aus eigener Anstrengung heraus zu erreichen.

Wie im oben zitierten Wikipedia Artikel: „…ihre Bewegung ist jedoch nicht ein aktives Drängen…“

Die Aufgabe der Hingabe

Die Aufgabe der Hingabe, so wie ich es für mich erfasse, ist Vertrauen. Das, was uns die Hingabe lehren möchte, ist Vertrauen zu haben, wenn wir die Hände und das Herz öffnen und loslassen – uns hingeben. Wenn wir in eine neue, ungewohnte Situation außerhalb unserer Komfortzone springen und nicht wissen, was nun für uns kommen wird. Wenn wir unseren Körper einem anderen Menschen anvertrauen. Wenn wir uns der göttlichen Führung anvertrauen und ihrer Repräsentation in uns – unserer inneren Stimme – folgen.

Ich nenne dies: Vorschussvertrauen ans Universum.

Hingeben oder Aufgeben?

Im englischen heißt aufgeben: to give up. Dies kann wörtlich übersetzt sowohl auf-geben als auch hoch-geben bedeuten. Ein wundervoller Bezug zum Vertrauen wird hier hergestellt. Ich gebe auf – ich lasse los und vertraue. Ich reiche (das Thema, bei dem ich aufgebe) nach oben, an eine höhere Macht. Möge sie entscheiden, wie es von hier an weitergeht. Ich löse mich aus der Verkrampfung und gebe auf, gebe ab, gebe (mich) hin.

Ich löse mich von der Allmachtsphantasie, dass ich alles in meinem Leben steuern und kontrollieren kann. Durch diese Vorstellung entsteht oft ein unnötiger Kampf und eine immense Starre und Verkrampftheit, die uns letztendlich wahnsinnig viel Kraft kostet.

Gebe ich aber auf – weil ich entweder keine Kraft mehr habe oder die Einsicht, dass das, was ich aufgebe (eine Beziehung, ein Studium, einen Job, einen Freund), einfach nicht mehr das Richtige für mich ist – kann die Kraft, die ich vorher für mein Festhalten, meine Kontrolle und meinen Kampf aufgewendet habe, frei werden und anderen Dingen zur Verfügung stehen. Dingen, die oft viel mehr dem entsprechen, was wir sind, sein wollen oder wozu wir berufen sind. Dinge, die uns deswegen auch viel weniger Kraft kosten.

Diese (Be)Deutungsräume sind ganz eng miteinander verknüpft.

Allermeist betrachten wir etwas aufgeben als etwas negatives, uns hingeben aber als etwas positives, ohne uns der Ähnlichkeit der beiden Vorgänge bewusst zu sein.

Was passiert, wenn wir die Hingabe aufgeben?

Wenn wir uns weigern, uns hinzugeben wird unser Leben wahrscheinlich um einige Erfahrungen und auf jeden Fall um einiges an Intensität ärmer.

Ja, ich bin mit Hingabe eine Aufgeberin!

Ich selbst habe unzählige Dinge in meinem Leben bereits aufgegeben. Ich war nie sonderlich bereit an etwas festzuhalten, von dem ich gespürt habe, dass es nicht mehr zu mir passt. Oft haben zeitgleich andere Dinge (eine neue Liebe, ein neues Studium, ein neuer Ort) deutlich an mir gezogen und mir signalisiert, dass das Neue mehr in Übereinstimmung zu dem steht, was ich bin.

Viele Menschen spüren diesen Zug des Lebens an sich – und ignorieren oder verdrängen ihn mit erstaunlicher Ausdauer. Aus Angst, sich dem Ungewissen hinzugeben und ins kalte Wasser einer neuen Aufgabe oder eines neuen Lebensabschnitts zu springen. Aus Verantwortungs- und Pflichtgefühl einem anderen Menschen gegenüber.

Mein Eindruck ist, dass es eine Typfrage ist, ob Sicherheitsbedürfnis oder Abenteuerlust, Pflichtbewusstsein oder Freiheitsdrang, Verantwortungsgefühl oder Selbstliebe in der eigenen Wertetabelle überwiegen. Mein Eindruck ist aber auch, dass unsere Gesellschaft sehr stark vorgibt, welche Werte „die besseren“, die gesellschaftlich anerkannteren sind.

Scheidung ist gesellschaftsfähig geworden, was noch zwei Generationen vorher Schimpf und Schande über uns gebracht hat. Sex vor der Ehe? Logo – für uns heute. Nicht so logo für unsere Großeltern…

Habe ich meinen Hang zur Hingabe jemals bereut?

Ich habe mir dadurch Möglichkeiten genommen und Chancen verbaut. Ich habe Menschen gehen lassen, die ich sehr geliebt und gern in meinem Leben behalten hätte. Ich habe eine Menge Geld und weltlichen Besitz dadurch verloren.

Ich habe aber auch mit meinen 30 Jahren mehr Erfahrungen gemacht als andere in ihrem ganzen Leben. Ich habe meine Persönlichkeit immer weiter geschliffen und bin in meiner Selbstwerdung immer weiter fortgeschritten. Ich habe mehr Mut bewiesen als ich manches Mal gefühlt habe und ich habe absolut sagenhafte Situationen mit wundervollen Menschen erlebt, die ich sonst verpasst hätte.

Ich habe gelernt zu vertrauen – mir selbst, meinem Bauchgefühl und meiner inneren Stimme – auch wenn ich mit der Erfahrung aufgewachsen bin, dass die Erde ein gefährlicher, unberechenbarer Ort voller gewalttätiger Menschen ist.

Ich habe gelernt mich hinzugeben. Mein Leben einer höheren Macht – meiner inneren Führung – anzuvertrauen und dieser inneren Führung bedingungslos zu folgen, auch wenn alle rationalen Argumente dagegen sprechen.

Nein, ich bereue nichts!

In hingebungsvoller Liebe zu euch und euren starken Schwächen

Lucya

16 Gedanken zu “Die Aufgabe der Hingabe – Was die Aufgabe der Hingabe ist und warum aufgeben manchmal gar nicht so schlimm ist

  1. Was für ein schöner Artikel. Ich bin ja leider viel zu wenig bereit, Dinge aufzugeben und halte bis zur Selbstaufgabe daran fest. Das sollte ich mir dringend abgewöhnen.

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  2. toller artikel! mal ein ganz anderes thema, was aber auch sehr spannend ist!
    „Viele Menschen spüren diesen Zug des Lebens an sich – und ignorieren oder verdrängen ihn mit erstaunlicher Ausdauer. Aus Angst, sich dem Ungewissen hinzugeben und ins kalte Wasser einer neuen Aufgabe oder eines neuen Lebensabschnitts zu springen.“ – das kenne ich nur zu gut. ich habe eine 14 jährige beziehung gehabt, anstatt mich früher davon zu lösen, weil ich einfach angst hatte diese zu beenden und es nicht wahrhaben wollte, dass es einfach nicht passen würde. oftmals fallen einen dann schuppen von den augen wenn man wirklich schon viel zeit investiert hat.
    glg karolina
    https://kardiaserena.at

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    • Ja, liebe Karolina, so ist es (leider) oft… Früher habe ich oft das Durchhaltevermögen anderer Menschen beneidet… Nun weiß ich, dass, wenn es mir WIRKLICH wichtig ist, ich durchhalten kann und werde – auch wenn es mich mehr Überwindung kostet als viele andere. Und ich glaube darum geht es – zu spüren, wann es sich lohnt zu kämpfen und dranzubleiben – und wann eben nicht… Alles Liebe dir!

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  3. Starker Text, musste ich glatt zwei Mal lesen. Was mich persönlich davon tangiert: Scheidung ist in der Tat „normal“ inzwischen, das durfte/musste ich selber schon erleben. Das Leben geht weiter … mal mit mehr, mal mit weniger Hingabe.

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    • Von einigen Menschen habe ich gehört, dass die Scheidung oder eine andere einschneidende Krise der Beginn des „wahren Lebens“ war, weil sie alles nochmal überdacht haben als einfach im gewohnten Trott weiterzumachen. Ich wünsche dir eine wundervolle, wahrhaftige weitere Reise! Alles Liebe!

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  4. Toller Artikel zu einem sehr spannenden Thema! So genau habe ich mich mit dem Wort Hingabe und dessen Bedeutung noch nie beschäftigt und definitiv etwas dazu gelernt.
    LG Kathrin

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  5. Hingabe ist doch toll, da stimme ich mit Dir überein! Aus meiner Sicht hat das sehr viel mit Engagement und Liebe zu tun, bezogen z.B. auf ein anstehendes Projekt oder natürlich auf die Liebe ;-). Viele Grüße!

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