Warum wir uns oft so schlecht fühlen, wo doch eigentlich alles okay ist

Alles ist gut. Unsere Grundbedürfnisse sind mehr als befriedigt, wir haben ein paar gute Freunde oder zumindest Kumpels zum rumhängen, der Fernseher liefert zuverlässig den Tatort und wenn wir ganz größes Glück haben, empfinden wir unsere Existenz sogar als nicht komplett sinnlos. Eigentlich müsste uns die Sonne aus dem Allerwertesten scheinen. Ja, eigentlich…

Wenn man sich im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis mal umhört, ist es doch immer das gleiche, was die Leute sich so wünschen:

Liebe und Frieden halt. Ein bisschen mehr Kohle wär schön. Nicht des Status, sondern der Freiheit wegen…

Ich hab da auf jeden Fall niemanden im Freundeskreis, der sagt: „Ja geilo! Lass ma in ein anderes Land einmarschieren, bisschen was zerbomben, paar Frauen und Kinder schänden, paar Andersdenkende demokratisieren, paar Flüsse vergiften und – hipp hipp hurra – das gleiche noch mal von vorn!!!“ Du etwa?

WARUM ist genau das dann gerade die Realität von Millionen von Menschen?!

Aber uns geht’s ja noch gut…

Ach echt?!

Muss ich jetzt erst die Selbstmordraten, Depressionsstatistiken, burnoutbedingte Krankschreibungsfälle und Armutsberichtszahlen auspacken oder weißt du selbst, dass es uns (den meisten, den noch fühlenden, den noch nicht völlig abgestumpften) Menschen eben NICHT völlig gut geht?

Der Klassiker: Verdrängung

Ohne eine gehörige Portion Verdrängung kommt heute niemand mehr aus.

Die Lieblingsarten der Deutschen:

  • Fernsehen
  • Drogen
  • Sex
  • Shopping
  • Sport
  • Gossip
  • Politik ( ja, auch das dient oft dem Verdrängen der tieferen, unguten Gefühle. Man kann sich ja dann wunderbar über die doofen Politiker aufregen, sich dabei besser als die Gegenpartei fühlen und nach dem Parteitag mit oben genanntem weitermachen)

Maaaann, Lucya, was bist du denn heute so negativ?!

Kleine Anmerkung zum Sinn dieses Blogs:

Nix Pessimismus, lieber Leser, liebe Leserin, Realismus!

Mein Job ist es unter anderem, dich in deiner Rosawattewölkchenwelt zu besuchen und dir nen liebevollen Tritt in den Allerwertesten hinaus aus deiner Komfortzone zu geben.

Die gute Nachricht: Genau da findet Wachstum statt! Und das ist es doch, worum es hier (im Blog und im Leben) geht, oder?!

Weiter gehts:

Vielleicht kennst du es von dir selbst:

Eigentlich läuft alles gar nicht mal so scheiße. Job macht Spaß, Kinder sind brav, Sex ist gut, Wohnung ist schick, Freunde hast du auch, genug zu essen, warmes zum anziehen – und doch – irgendwie ist da ein unerklärliches, ungutes Gefühl irgendwo in dir. Im Herzen vielleicht, im Bauch, im Hals oder im Kiefer.

Ein unerklärlicher Druck, eine Enge oder ein Schmerz.

Charles Eisenstein nennt dieses Phänomen in seinem wundervollen Buch „Die schönere Welt, die unser Herz kennt, ist möglich“ den Schmerz des Interbeing – des verbundenen Wesens.

Der Begriff Interbeing beschreibt die wechselseitige Abhängigkeit der Lebewesen von- und untereinander, nicht nur auf der biologischen Überlebensebene, sondern auch auf der psychologischen und energetischen Ebene.

Die Spiritualität nennt es Allverbundenheit, Rupert Sheldrake Morphische Felder, die Quantenphysik Quantenfeld.

Kurz gesagt: Wenn in China ein Sack Reis umfällt, dann geht dich das verdammt noch mal was an!

Und wenn überall auf der Welt Menschen sich gegenseitg abschlachten und die Welt vergiftet wird auch – ob du willst oder nicht.

Der Schmerz des Interbeing

Auf einer Ebene jenseits unseres bewussten Verstandes, welcher sich durch Verdrängung ablenken lässt, wissen wir, welche Kacke hier abgeht – und es lässt uns eben nicht kalt! Wir bringen es nur nicht direkt mit dieser Tatsache in Verbindung.

Wir suchen in unserem eigenen Leben nach Ursachen und Verbesserungsmöglichkeiten, vielleicht finden wir diese auch, aber der subtile Schmerz des Interbeing lässt sich damit nicht auflösen.

In vielen von uns steckt ein unterdrückter Schrei:

STOOOOOPPPPP!!!!!!!

Was tun?

Wie gehen wir nun, wo wir uns dieser Zusammenhänge bewusst sind, damit um?

1. Bewusstheit

Der erste Schritt ist immer Bewusstheit. Ohne Bewusstheit über das, was geschieht, ist Veränderung unmöglich. Also schau hin. Schau wirklich hin! Schau in dich rein. Schau bewusst in die Welt und lasse dich zur Abwechslung mal von den Nachrichten berühren, statt sie nur anzuschauen.

2. Auseinandersetzung

Verdrängung, so haben wir gesehen, hilft uns nicht weiter.

Haben wir erst einmal verstanden, was hier passiert (Ja, sorry… Oder halt, nee, doch nicht…) ist die rote Pille nun mal gefressen.

Der wundervolle Ansatz der Tiefenökologie, entwickelt von Joana Macy, beschäftigt sich intensiv mit der Auseinandersetzung und Aufarbeitung des eigenen Weltschmerzes. Er nennt das Verzweiflungsarbeit.

3. Bewusstes Fühlen

All die Wut, die Angst, die Ohnmacht, die Verzweiflung wollen und müssen bewusst durchgefühlt werden. In ihnen liegt eine wundervolle, heilsame Botschaft, die sich nur durch bewusstes Fühlen zeigt!

Ja das tut weh! So wie eitrige Wunden weh tun, wenn man sie aufschneidet, damit der Eiter abfließen und die Wunde heilen kann.

4. Den Schmerz als Motor nutzen

Den Sinn der Tiefenökologie beschreibt Macy wie folgt:

„Durch die Auseinandersetzung mit dem Schmerz über die Welt, hin zu einem authentischen, aus der Empathie für seine Mitwelt gewachsenen Aktivismus finden.“

Nicht Plastik vermeiden, vegetarisch oder vegan leben oder Schildkröten retten auf Grund des Karmapunktekontos oder der eigenen Gesundheit zu Liebe – sondern aus tiefem, ehrlich empfundenen Mitgefühl für die Welt und unsere Mitwesen und dem Wissen, dass es uns erst in einer gesunden Welt wirklich, ehrlich und vollständig gut gehen kann!

5. Gemeinschaft finden

Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei! In einer Gemeinschaft von gleichgesinnten lassen sich Kräfte bündeln und der Schmerz lässt sich besser aushalten, wenn man weiß, man ist damit nicht allein. Und das bist du ganz gewiss nicht!

Ohne ähnlich denkende und fühlende Menschen wäre ich wirklich schon längst durchgedreht.

Facebook bietet eine Fülle an unterschiedlichen Interessensgruppen, aber bleibe nicht nur beim Online-Kontakt. Triff dich zum persönlichen Austausch mit Menschen, die ähnlich denken und fühlen. Zum Beispiel auf Friedensdemonstrationen, in Gemeinschaftsgärten, an Tagen der offenen Tür in Ökodörfern wie Sieben Linden oder dem ZEGG.

Ganz besonders kann ich dir das Magazin Oya ans Herz legen. Ein Print- und Onlinemagazin rund um den gesellschaftlichen Wandel hin zu einer „enkeltauglichen“ Welt.

Fazit

1. Wir werden als Teil einer kranken Welt niemals völlig gesunden können.

2. Resignation und Verdrängung führen mittel- und langfristig nicht zu einem besseren Gefühl.

3. Wir sind alle miteinander verbunden. Ob wir das wahrhaben wollen oder nicht. Ob wir das gut finden oder nicht. Der Mensch existiert nicht in seiner abgetrennten Blase.

4. Langfristig glücklicher werden wir nur durch aktives Auseinandersetzen mit unseren Gefühlen und einem empathiebasierten, praktischen Aktivismus,. Egal ob wir Schildkröten retten, Flüchtlinge versorgen oder Bäume pflanzen – am Besten in Gemeinschaft.

Jeder Mensch wünscht sich offen oder tief in sich drin Liebe und Frieden! Wenn wir die kollektive Verdrängung des Weltschmerzes anerkennen, können wir viel empathischer mit unseren Mitmenschen umgehen ohne deswegen auf uns herumtrampeln lassen zu müssen.

Wir können sie liebevoll daran erinnern, sich mit ihren tieferen Bedürfnissen zu verbinden.

Nicht jeder wird dafür bereit sein. Nicht jeder ist für diesen Artikel bereit. Und doch muss ich ihn schreiben.

Als Teil meines bewusst gewählten Aktivismus für eine bessere Welt.

Was ist dein Beitrag?

Oder was könnte er sein?

Schreib mir einen Kommentar, diskutiere in unserer Community und teile gern diesen Artikel, wenn du ihn für relevant hälst.

In tiefer Liebe und Verbundenheit zu dir und deinem unterdrückten Schmerz.

Lucya

Ps: In unserer Community findest du viele Gleichgesinnte und kannst dich über dieses und andere Themen austauschen

Ein Gedanke zu “Warum wir uns oft so schlecht fühlen, wo doch eigentlich alles okay ist

  1. Hui, wie recht Du hast, liebe Lucya. Ich bin ganz gerührt, das es das gibt. Ich bin gläubig und nenne den von Dir beschriebenen Wunsch-Zustand Reich Gottes. Es ist angebrochen und wird Wirklichkeit durch uns. Gerade am Montag dieser Woche traf ich eine alte Frau, die mir viel Kraft durch ihren Optimismus geschenkt hat. Sie meint nur: „Die Kraft hol ich mir von oben. Und ich wünsche Ihnen eine wunderschöne Woche.“
    In diesem Sinne danke und alles Gute!

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